„So wie mir scheint, sieht der Autor alle Menschen nur als Programme an? Klingt für mich
etwas herzlos und kalt. Siehst du das genauso, David?“, kommentiert Henry den letzten
Abschnitt.
„Im Prinzip schon! Das liegt doch auf der Hand. Woher glaubst du, weiß ein Säugling wie
man die Muttermilch trinkt? Oder wie man wächst?“
„Na, ja, das hat Mutternatur in den Genen so angelegt“, antwortet Henry etwas oberflächlich.
„Richtig, wie wäre es mit ,programmiert’? Man spricht in der Biologie auch vom
Programmcode, dem genetischen Code im Menschen und in allen Lebewesen. Ob das
wirklich so abläuft, wie ein Biologe das glaubt, lass ich mal dahingestellt sein. Auf alle Fälle
dient es uns hier als schönes Symbol.“
„Ja, ... äh, was du mit dem Symbol meinst, verstehe ich zwar nicht, aber der Rest klingt
logisch“, stammelt Henry etwas kleinlaut. So schnell hätte er nicht gedacht, dass ihm David
die Antwort gibt.
„Und wo ein Programm besteht, da ist auch ein Programmierer! Soweit auch logisch?“
„Schon, ... theoretisch. Du meinst einen Gott. Aber was ist mit der Evolutionstheorie in der
Biologie? Die kommt doch ohne einen Programmierer aus und erklärt die Entstehung der
Welt aufgrund von Zufall.“
„Du meinst die Theorie, nach der sich aus ein bisschen Dreck, von einem zufällig im
Wasser gelandeten Asteroiden, durch hin- und herschwappen, die ganze Welt, so wie
du sie siehst, entwickelt hat?“
„Du beschreibst es etwas abfällig, aber ja, die meine ich.“
„Die kannst du glauben, wenn du sie für logisch und sinnvoll hältst. Du kannst auch an den
Weihnachtsmann, der die Geschenke bringt und den Osterhasen, der die Eier versteckt,
glauben. Das hängt ganz von deiner Fantasie ab. Aber es ändert nichts an dem, was du hier
und jetzt wahrnimmst: das ist die Tatsache, dass alles, ob Mensch, Tier oder Pflanze, nach
Regeln, Gesetzen, Mustern und Abläufen funktioniert, ohne sich selbst bewusst zu sein, wie
es funktioniert! Genau das nennt der Autor ,alles läuft nach einem relativ festen Programm
ab’. Wenn du das ,gefühlskalt’ oder ,schlecht’ findest, dann finde doch selbst ein Wort dafür
und denk es dir, anstatt ,Programm’. “
„Sei nicht gleich so streng mit mir. Es war ja nur ein Eindruck, den ich spontan geäußert
hab“, entschuldigt sich Henry, weil er merkt wie überflüssig David die Kritik findet.
„Und ich hab es auch nicht böse gemeint. Ich hab dir auf deine spontane Frage, eine
ebenfalls spontane und vielleicht energische Antwort gegeben.“
David nimmt das Buch blättert ein paar Seiten vor und bemerkt: „Wir haben noch zwei kleine
Kapitelchen. Lass uns die noch lesen und dann ins Bett gehen. Ich merke, das ich schon
etwas Müde werde.“
„O.k.“