Der Schoepfungsschluessel


„Wie soll ich denn den Tod annehmen? Ich weiß doch gar nicht was danach kommt und ob
überhaupt etwas danach kommt. Und wenn ich kämpfe, dann nur, weil ich, wenn nichts mehr
danach kommt, wenigstens so lange wie möglich leben will. Da zählt dann jeder Tag. 
Weißt du was der Tod ist? Und warum alles sterblich ist? Warum hat denn Gott, wenn es ihn
gibt, den Tod erschaffen?“, fragt Henry in einer leicht verzweifelten Stimmlage.
 
„Der Tod ist ein Mysterium, das vom Schöpfer gewollt ist, weil nur dadurch kann der
Mensch absolutes Vertrauen schenken. Es ist wichtig, dass dies so bleibt!
 
„Aber warum will GOTT das Vertrauen des Menschen haben? Was hat er denn davon?“
„GOTT braucht dein Vertrauen nicht, aber es ist der Einsatz, der dem Spiel des Lebens die
Würze gibt!“
„Für ein Spiel ist es aber ziemlich stressig und ernst, das Leben.“
„Auch nur weil du vergessen hast, dass es eigentlich nur ein Spiel ist“, lächelt David und
fährt fort: „Und dann ist da noch was! Etwas wirklich ernstes.“
„Was meinst du?“
„Das Entstehen von wirklichem Leben!“
„Was ist denn ,wirkliches Leben’?“, fragt Henry mit einem Gesichtsausdruck der
Unverständnis.
„Bewusster schöpferischer Geist!“, lautet die schlichte Antwort von David.
„O.k. Willst du das vielleicht etwas genauer erläutern?“
„Nein. Weil man es nicht erläutern kann. Es ist in einem polaren Denken nicht ausdrückbar,
weil es sich um einen Synthesezustand handelt. Man kann es höchstens in Gleichnissen
formulieren und darstellen. Aber glaube nie, ein Gleichnis spiegelt die Wirklichkeit wieder! Es
ist lediglich eine verzerrte Schattenprojektion!“
„Wahrscheinlich weißt du es selbst nicht!“, versucht Henry, David aus der Reserve zu locken.
„Auch das ist richtig. Ich ahne es nur. Aber auch wenn ich es wüsste, könnte ich es dir nicht
beschreiben.“
„Warum denn nicht!“
„Wie gesagt, es handelt sich um einen höheren Zustand, als den, den du mit deinem
Verstand fassen kannst. Du kannst es nur in Gleichnissen auf deine Verständnisebene
reduzieren. Wie zum Beispiel das: versuch mal einem zweidimensionalen Bewusstsein einen
dreidimensionalen mathematischen Kegel zu erklären!“
„Das, ..., wird wohl nicht so einfach funktionieren“, Henry lässt dieses Beispiel einen Moment
auf sich wirken und sagt dann:
„Ich glaube ich fange an zu verstehen, was du meinst.“
„Und der Schlüssel auf diese höhere Ebene ist das „Vertrauen“, der „Glaube“ und die
„Treue“! Alle drei Wörter bedeuten übrigens im Hebräischen ein Wort: „emun“ bzw. „emuna“
([h]Nwma 1-40-6-50 [5]). Die Christen sagen am Ende eines Gebets „Amen“, was von diesem
Wort abgeleitet wird und „ich glaube“, „ich vertraue“ und „ich halte die Treue“ bedeutet.“
 
Henry schaut etwas nachdenklich und überlegt, ob er jetzt eigentlich eine Antwort auf seine
Frage bekommen hat, ob nach dem Tod etwas ist oder nicht. 
David sieht den irritierten Gesichtsausdruck von Henry und erklärt nochmals: „Du kriegst
nicht so leicht eine Antwort auf deine Frage und schon gar keine definitive, weil gerade darin
der Sinn besteht. Wenn du es bereits wüsstest, dann bräuchtest du nicht mehr vertrauen,
weil du es ja dann weißt. Erst kommt das Vertrauen, dann das wirkliche Wissen, weil es
anders herum keinen Sinn macht. Wenn du weißt, brauchst du nicht mehr zu vertrauen.“
„Aber warum ist es so wichtig zu Vertrauen?“
„Es ist das einzige, was du selbst in dir entwickeln kannst. Dein normales Persönliches
Programm schreibt dir in der Regel genau dies nicht vor, sondern warnt dich ständig vor
allem und jedem. „Vertrauen, Glaube und Treue“ ist dein Einsatz im Spiel des Lebens.
Wenn du gewinnst, gewinnst du alles und wenn du verlierst, verlierst du nichts. Das ist
doch fair, oder?“
„Und was bedeutet ,verlieren’?“
„Wenn du nur so tust, als ob du vertauen würdest, aber in Wirklichkeit tust du es nicht. 
Und besonders enttäuschend wird es für den Menschen, der doch so sicher dachte, dass er
„vertraut und glaubt“, aber sich selbst letztendlich überschätzt hat.“
„Und was passiert mit ihm?“
„Nichts, keine Ahnung. Vielleicht dreht er noch eine Runde unter einer anderen Maske bzw.
Persönlichkeit. Ich weiß es nicht genau. Ich kann dir aber sagen, dass das Bestmögliche
passieren wird!“, gibt David mit einer festen und selbstsicheren Stimme Antwort.
 
„Und was verstehst du unter ,gewinnen’?“
„Lass dich überraschen!“, grinst David.
 
Damit kann Henry natürlich nicht viel anfangen, aber er unterlässt es, weiter zu bohren. Das
hat bei David keinen Sinn. Stattdessen versucht er mit einer anderen wesentlichen Frage,
mehr Licht ins Dunkel zu bringen. 
„Gut, wenn du es nicht sagen willst oder kannst, dann beantworte mir wenigstens die Frage,
was du unter „Vertrauen“ verstehst?“
„Vereinfacht bedeutet es ganz tief und fest zu wissen, dass alles SEHR GUT ist. Durch
immer mehr Verstehen, wird dein Glaube und dein Vertrauen immer größer. Wenn du
verstehst, dass etwas perfekt funktioniert, dann wird es dir leichter fallen darin zu
vertrauen. Dazu musst du aber erst mal die Regeln und den Aufbau der Schöpfung
besser verstehen“, erklärt David und hält dann einen Moment inne, bevor er weiter spricht.
 
„Um das Thema vorläufig abzuschließen, könnte man es in folgendem Satz
zusammenfassen: Sieh das freiwillige Annehmen des Todes und des Sterbens, aus
Liebe in die Schöpfung (WP+), als den letzten großen Vertrauensschritt des Menschen
an. Es ist das größte Opfer, was der Mensch GOTT schenken kann.“
 
„Puh, das ist ziemlich starker Tobak für mich!“
 „Macht nichts, Henry. Lassen wir es für heute gut sein. Zu viel Informationen auf einmal sind
auch nicht gut. Lass uns Schritt für Schritt vorgehen. Wer zu schnell, zu viel wissen will, läuft
Gefahr im Wissensstrom zu ertrinken. Verdau erst mal das alles und schlaf eine Nacht
darüber. Morgen machen wir dann weiter.“
„Nein, warte noch einen Moment. Sagt mir bitte noch etwas, was mein Vertrauen bezüglich
Tod und Sterben stärken kann!“ Es klang ein wenig wie ein Hilferuf von Henry, den David
natürlich versucht nachzukommen.
„Es ist alles nicht so wild. Der Tod ist eine Illusion. Es ist der Schleier, der den
Zuschauer von den Zaubertricks des Magiers auf der Bühne trennt. Der Tod bildet die
Tür zu einer höheren, nicht für ein polares Denken zugänglichen Wirklichkeit, der
Synthese. 
Und überhaupt kann in einer Einheit nichts verloren gehen, es kann sich höchstens
wandeln, oder den Zustand verändern. Innerhalb der Polarität findet ein ständiger
Wechsel statt, der in einem begrenzten Fassungsvermögen (dem Menschen), die Illusion
der Vergänglichkeit entstehen lassen kann. Wohingegen die höchste Synthese immer
alles beinhaltet und in ihr nichts verloren gehen kann. Es ist immer alles gleichzeitig
da. Von dort, dem Jenseitigen, besitzt alles jederzeit die Möglichkeit, wieder in ein
polares Sein zu treten.“ 
David macht eine kleine Pause, um die Worte bei Henry wirken zu lassen,  bis er die Stille
wieder unterbricht:
„Aber schau her, auch wenn du das jetzt alles weißt, oder es dir zumindest logisch
erscheint, dann musst du trotz allem, am Ende vertrauen! Dein Intellekt bringt dich
weit, aber den letzten Schritt kannst du nur mit dem Vertrauen, dem Glauben, der
Treue und der Liebe gehen!“
 
Henry nickt verständnisvoll und sagt:
„Danke, das war noch gut. Ich denke aber auch, dass wir jetzt Schluss machen für heute.
Und danke überhaupt für die ganze Mühe, die du dir gegeben hast!“,
Henry legt ein Stückchen Papier auf die letzte gelesene Seite im Buch und lehnt sich unter
einem starken Schnaufer zurück ans Sofa.
„Gern geschehen!“